25. August · 19 Uhr
Matthias Pech (Stralsund):
Stralsunder Romantik



Werke von August Wilhelm Bach, Robert Theodor Dornheckter, Rudolf Looks, Georg Riemenschneider u.a.

Die Programmidee entstand nach interessanten Funden in Archiven. So stehen die fünf Komponisten im direkten Zusammenhang mit der Stralsunder Orgelwelt des 19. Jahrhunderts. Das kongeniale Instrument dafür ist die Orgel in St. Nikolai, erbaut von Carl August Buchholz 1838 bis 1841. Ihre Restaurierung und Rekonstruktion übernahmen die Orgelbaufirmen Wegscheider und Klais in den Jahren 2003 bis 2006. Heute zeigt die „kleine Stralsunder Schwester“ wieder ein schlüssiges Klangbild der deutschen Frühromantik: mit klar zeichnenden Prinzipalen, einem Reichtum an farbigen Zungenstimmen und silbrigen Mixturen noch in der spätbarocken Tradition stehend, weist sie gleichzeitig mit charakteristischen zarten Flöten- und Streicherklängen sowie einer sanften Grundtönigkeit weit in die Romantik und ist eine der größten und bedeutendsten deutschen Orgeln aus der Zeit zwischen 1800 und 1850.

August Wilhelm Bach aus Berlin wurde als Sachverständiger („Comissarius der Königl. Ober-Bau-Deputation für die Orgelbauten“) bei der Planung dieser Orgel zu Rate gezogen. Er rühmte Buchholz in seinem Gutachten vom Mai 1838 als „vorzüglichsten jetzt lebenden Künstler seines Fachs“ und erweiterte die Anzahl der Stimmen des ersten Kostenvoranschlags um acht auf 56 Register.

Die Postludien op. 20 des Stralsunder Nikolai-Organisten Robert Theodor Dornheckter sind, ähnlich wie die Werke des jungen Mendelssohn, von klassischen Vorbildern geprägt. So klingt es in der Fuge ein wenig nach Bachscher Polyphonie, die beiden Choralvorspiele haben ritornellartige Strukturen. Einzig der Trauermarsch mit dem eingeschobenen Choral „Jesus, meine Zuversicht“ drückt sich in der melodiegeprägten Tonsprache der Romantik aus.

Ein weiteres Lehrer–Schüler–Verhältnis finden wir bei Friedrich Wilhelm Franke und Rudolf Looks, die nacheinander Organisten an St. Jakobi zu Stralsund waren. Die beiden trennen altersmäßig nur fünf Jahre, vielleicht rührt auch daher das sehr enge freundschaftliche Verhältnis der beiden. Looks schreibt in seinen „Erinnerungen“ 1936: „Einige Jahre nach dem Kriege wurde ich auf Frankes Veranlassung aufgefordert, für ein großes, umfassendes Werk für Orgel, das nur Kantus–firmus-Präludien enthalten sollte, elf Präludien zu angegebenen Choralmelodien zu schreiben (Kantus–firmus-Präludien sind Choralvorspiele, die die ganze Choralmelodie in kontrapunktischer Verarbeitung bringen). An diesem Werke waren frühere Schüler von Franke und andere ihm nahestehende Orgelkomponisten beteiligt.“

Georg Riemenschneider wurde rund zwanzig Jahre früher als die beiden vorigen in Stralsund geboren, sein Stil aber ist progressiver, ja eleganter und wirkt fast weltmännisch, was durchaus naheliegend ist, wenn man seine Stationen betrachtet: Stettin, Amsterdam, Breslau. Auch ist heraus zu hören, dass er sich mit der Orchestermusik seiner Zeit beschäftigte und sich davon in seinen Orgelwerken davon inspirieren ließ.

Eintritt frei! Spenden für die Orgel erbeten!


Matthias Pech studierte in Lübeck Kirchenmusik (Orgel u.a. bei Prof. Martin Haselböck), Cembalo (bei Prof. Hans-Jürgen Schnoor) und Dirigieren (bei Prof. Günther Behrens) und schloss sein Studium 1991 mit der A-Prüfung ab. Zahlreiche Meisterkurse (u.a. bei Eric Ericsson, Helmut Rilling, Daniel Roth, Jacques van Oortmerssen) sowie mehrfache Teilnahme an Orgelakademien bei Winfried Berger (Orgel) und Anna Kuwertz (Dispokinese) begleiteten sein Studium. 2003 führte ihn sein Weg nach Stralsund, wo er seit dem Beginn der Restaurierung der historischen Buchholz-Orgel Kirchenmusiker an St. Nikolai ist. Zahlreiche Auftritte als Organist, Dirigent und Kammermusikpartner, auch im europäischen Ausland sowie CD-Einspielungen zeugen von seiner musikalischen Vielseitigkeit. Neben der Orgelimprovisation gehört die Komposition vor allem von Chormusik zu den Schwerpunkten seiner Arbeit. 2016 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt.