{"id":2009403,"date":"2021-07-22T16:36:00","date_gmt":"2021-07-22T16:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/orgel.alt-pankow.de\/?p=2009403"},"modified":"2021-10-25T10:57:18","modified_gmt":"2021-10-25T10:57:18","slug":"mittwoch-den-22-september-%c2%b7-19-uhrmichael-schoenheit-gewandhaus-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/orgel.alt-pankow.de\/?p=2009403","title":{"rendered":"22. September \u00b7 19 Uhr<br><b>Michael Sch\u00f6nheit <br>(Gewandhaus, Leipzig)<\/b><br>"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bach und sein musikalisches Erbe<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Werke von August Wilhelm Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, dem Merseburger Domorganisten David Hermann Engel u.a.<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>August Wilhelm Bach \u2013 Organist, Lehrer und Commissarius in der K\u00f6niglichen Orgelbaudeputation in Preu\u00dfen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>d. 3 ten des Wonnemonates 1821<\/em><br><em>Was sagt der K\u00fcster, lieber Hr. Bach ? K\u00f6nnen wir heute Nachmittag spielen ? Giebt es keine Hochzeit ? keine Einsegnung ? Haben Sie die G\u00fcte mir durch Ueberbringer dieses auf meine vielen Fragen Antwort sagen zu lassen. Ist nun von allen diesen Dingen heute keine St\u00f6rung zu bef\u00fcrchten, so stehe ich um Puncto 4 an dem Thurm, mit meiner Schwester, (wie sie es erlaubt haben) Gr\u00fc\u00dfen Sie doch Praeludium und Fuge aus g moll. Ich schwitze jetzt \u00fcber einer Orgelfuge die n\u00e4chster Tage zur Welt kommen wird. Allen Principalpfeifen meinen herzlichen Gru\u00df<\/em><br><em>Ihr ergebener<\/em><br><em>F.(elix) Mendelssohn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So schreibt Felix Mendelssohn Bartholdy an seinen Orgellehrer August Wilhelm Bach. Nicht verwandt mit der Bachfamilie aus Th\u00fcringen, wirkte der Sch\u00fcler von Carl Friedrich Zelter, seit 1815 Mitglied der Berliner Singakademie, ab 1816 als Organist an der Berliner St. Marienkirche. Von 1819 bis 1820 hatte er noch Unterricht bei Michael Gotthard Fischer in Erfurt und war somit ein Urenkelsch\u00fcler Johann Sebastian Bachs. Im Jahr 1826 wurde er zum <em>Commissarius<\/em> in der K\u00f6niglichen Orgelbaudeputation zur \u00dcberwachung der Orgelbauvorhaben in Preu\u00dfen ernannt.<br>So initiierte er beispielsweise die Restaurierung der Joachim-Wagner-Orgel in der Marienkirche zu Berlin durch Carl August Buchholz im Jahre 1829. Das Instrument wurde nach verschiedenen \u00c4nderungen weitgehend auf den Originalzustand zur\u00fcckgebracht, ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr die Restaurierung eines historischen Instrumentes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>August Wilhelm Bach: Einleitung zu Bachs Fuge in g-Moll, BWV 542, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>August Wilhelm Bach (1796-1869) versah die gro\u00dfen Fugen Johann Sebastian Bachs mit eigenen Introduktionen. Die Einleitung zu Bachs Fuge in g-Moll, BWV 542, 2 er\u00f6ffnet das Konzert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Felix Mendelssohn Bartholdy: Sonate op. 65 Nr. 6 d-Moll<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Felix Mendelssohn komponierte im Laufe seines Lebens eine gro\u00dfe Anzahl von Orgelst\u00fccken. Zwischen 1844 und 1845 w\u00e4hlte er eine Reihe dieser St\u00fccke aus, \u00fcberarbeitete sie gewissenhaft und stellte daraus unter Hinzuziehung neu komponierter Teile \u00abSechs Sonaten\u00bb op. 65 f\u00fcr Orgel zusammen, die 1845 zeitgleich in London und Leipzig erschienen. Drei dieser Sonaten nehmen auf unterschiedliche Weise auf Choralmelodien Bezug. Die Sonate Nr. 6 in d-Moll ist eine der <em>\u00abchoralgebundenen\u00bb<\/em> Sonaten. Ihr liegt das Lutherlied \u00abVater unser im Himmelreich\u00bb zu Grunde. Den ersten Teil der Sonate bildet eine Folge von vier Variationen, die von einem einfachen Choralsatz eingeleitet werden. Dem Satz liegt der Gedanke der barocken Partita zu Grunde. Allerdings sind die Variationen miteinander verbunden, so dass hier der \u00dcbergang von der Choralpartita zur Choralfantasie erkennbar ist. Eine Fuge mit einem aus dem Choral abgeleiteten Thema schlie\u00dft sich an, bevor ein leiser, getragener Finalsatz das Werk beschlie\u00dft. Die sechs Sonaten bilden einen wichtigen, richtungsweisenden H\u00f6hepunkt in der gesamten Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Adolph Friedrich Hesse <\/strong><em><strong>(der schlesische Bach<\/strong>)<\/em>: <strong>Variationen A-Dur \u00fcber ein Originalthema op. 47<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adolph Friedrich Hesse wurde 1809 in Breslau geboren. Seine Lehrer waren die Breslauer Organisten Friedrich Wilhelm Berner und Ernst K\u00f6hler. 1831 wurde Hesse erster Organist an der Bernhardinkirche. Den Beinamen <em>\u00abder schlesische Bach\u00bb<\/em> erhielt er f\u00fcr seinen unerm\u00fcdlichen Einsatz um die Orgelwerke Johann Sebastian Bach. Hesse z\u00e4hlte in Deutschland zu den bedeutenden Organisten seiner Zeit und erregte in Paris und London Aufsehen durch sein virtuoses Pedalspiel. Zu seinen Sch\u00fclern z\u00e4hlt Jacques-Nicolas Lemmens, der Lehrer von Alexandre Guilmant und Charles-Marie Widor. Hesse starb am 5. August 1863 in seiner Heimatstadt Breslau. Hesse hinterlie\u00df eine Vielzahl von Orgelwerken. Seine Variationen A-Dur \u00fcber ein Originalthema op. 47 sind ein typisches Beispiel f\u00fcr die deutsche Orgelliteratur der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>David Hermann Engel: Fantasie und Fuge g-Moll op. 16<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 1816 in Neuruppin geborene Engel wurde 1835 in Dessau Sch\u00fcler des dortigen Hofkapellmeisters Johann Christian Friedrich Schneider. Dar\u00fcber hinaus studierte er bei dem Breslauer Organisten und Urenkelsch\u00fcler J. S. Bachs Adolph Friedrich Hesse. Ab 1841 wirkte er als Musiklehrer in Berlin und wurde schlie\u00dflich 1848 als Nachfolger von August Gottfried Ritter zum Merseburger Domorganisten berufen. Gleichzeitig \u00fcbte er das Amt eines k\u00f6niglichen Orgelrevisors aus und lernte u.a. die Instrumente des in Wei\u00dfenfels ans\u00e4ssigen Friedrich Ladegast kennen und sch\u00e4tzen, und sorgte daf\u00fcr, da\u00df dieser die neue Orgel im Dom erbauen konnte. Engels <em>Fa<\/em><em>ntasie<\/em> und <em>Fuga in g-Moll<\/em> steht ganz in der Tradition der Kompositionen seines Lehrers Adolph Friedrich Hesse und erinnert besonders in der Struktur des Fugenthemas an Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen 1846 bei Breitkopf erschienene Sonaten einen besonderen H\u00f6hepunkt in der Entwicklung der deutschen Orgelmusik nach J. S. Bach darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der handwerklich geschickt gearbeiteten Fantasie sind 5 dynamische Stufen angegeben, die man m\u00fchelos auf die 4 Manuale der Domorgel verteilen kann: ff = Hauptwerk, f = Oberwerk, mf = R\u00fcckpositiv, p = Brustwerk (Schwellwerk ge\u00f6ffnet) pp (Echo) = Brustwerk (Schwellwerk geschlossen). Die sogenannte Fuge l\u00f6st sich nach einer einzigen Durchf\u00fchrung in ein fantasieartiges Figurenwerk auf, welches durch alle Stimmen wandert. Erst am Ende kehrt das an Mendelssohn gemahnende Fugenthema wieder, nun in einer Engf\u00fchrung zwischen Sopran und Bass. Die nur viertaktige Kadenz schlie\u00dft das St\u00fcck ab.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johann Sebastian Bach: \u00abVor deinen Thron tret\u2018 ich hiermit\u00bb BWV 668<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Achtzehn Chor\u00e4le von verschiedener Art, auch Leipziger Chor\u00e4le genannt, stellte Johann Sebastian Bach in seinen letzten Lebensjahren zusammen, mit der Absicht, sie im Druck erscheinen zu lassen. Die Sammlung enth\u00e4lt Choralbearbeitungen f\u00fcr Orgel mit zwei Manualen und Pedal. Der letzte Choral, <em>\u00abVor deinen Thron tret\u2019 ich hiermit<\/em>\u00bb ist wohl am bekanntesten; er wurde unter dem Choral <em>\u00abWenn wir in h\u00f6chsten N\u00f6ten sein\u00bb<\/em> von den Herausgebern in die Kunst der Fuge integriert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johann Sebastian Bach: Passacaglia c-Moll BWV 582<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die wohl wichtigsten Impulse f\u00fcr seine Besch\u00e4ftigung mit dem Orgelwerk Johann Sebastian Bachs erfuhr Franz Liszt in seinen Weimarer Jahren als Hofkapellmeister von 1843 bis 1861, war doch gerade hier in Th\u00fcringen, dem Geburtsland Bachs, dessen Werk bewahrt und gepflegt worden. Hier war auch Johann Gottlob T\u00f6pfer, geboren 1791, ausgebildet in Weimar und ab 1830 Stadtorganist und Orgelsachverst\u00e4ndiger, eine wichtige Inspirationsquelle f\u00fcr Liszt. Auf Anregung Franz Liszts erarbeitete T\u00f6pfer einige, der Klangsprache des 19. Jahrhunderts entsprechende Registrierungen f\u00fcr Bachsche Werke. Hierzu geh\u00f6rt auch die Passacaglia c-Moll BWV 582. Entgegen der bisher \u00fcblichen Praxis, das St\u00fcck in einer am organo pleno (volles Werk) orientierten Registrierung zu spielen, instrumentiert T\u00f6pfer die Passacaglia, die nun vom leisesten pp und ausgew\u00e4hlten, meist grundt\u00f6nigen Registrierungen ausgehend in das organo pleno der Fuge m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Michael Sch\u00f6nheit<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Eintritt frei! Spenden f\u00fcr die Orgel erbeten!<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6nheit, <\/strong>geboren in Saalfeld, erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei seinem Vater Walter Sch\u00f6nheit und war Mitglied der Th\u00fcringer S\u00e4ngerknaben. Von 1978-1985 studierte er Dirigieren, Klavier und Orgel an der Hochschule f\u00fcr Musik \u00abFelix Mendelssohn Bartholdy\u00bb. 1984 wurde er Preistr\u00e4ger des Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig.<br>Von 1985 bis 1991 war er als Organist und Kantor in Saalfeld t\u00e4tig. 1986 wurde er zum Gewandhausorganisten berufen. Hier umfasst sein Wirkungsbereich die Gestaltung der Gewandhaus-Orgelkonzerte, thematischer Zyklen, die Mitwirkung in den Gewandhaus-Kammermusiken sowie Auftritte als Solist mit dem Gewandhausorchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1994 ist Michael Sch\u00f6nheit k\u00fcnstlerischer Leiter der Merseburger Orgeltage, die sich zu einem der f\u00fchrenden Orgelfestivals in Deutschland entwickelt haben. Seit 1996 ist Sch\u00f6nheit zudem Domorganist in Merseburg.<br>Im Jahre 1998 gr\u00fcndete er das Ensemble Merseburger Hofmusik, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Musik vom 17. bis zum 19. Jahrhundert auf Instrumenten historischer Mensur zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1998 bis 2005 leitete Michael Sch\u00f6nheit den Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg.<br>Michael Sch\u00f6nheit ist dar\u00fcber hinaus ein gefragter Gastorganist. Seine Konzertt\u00e4tigkeit erstreckt sich \u00fcber die europ\u00e4ischen L\u00e4nder hinaus bis in die USA und nach Japan.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf zahlreichen Festivals ist Michael Sch\u00f6nheit regelm\u00e4\u00dfig zu Gast. Am 9. April 2019 gastierte er erstmals in Notre- Dame de Paris. Im August desselben Jahres deb\u00fctierte er bei den Proms der BBC mit einem Bachprogramm in der Royal Albert Hall, London.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Solist gastierte er neben dem Gewandhausorchester bei so renommierten Orchestern wie der S\u00e4chsischen Staatskapelle Dresden, den M\u00fcnchner Philharmonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, der Dresdner Philharmonie, dem Orchestra dell\u2019 Accademia Nazionale di Santa Cecilia Rom, dem New York Philharmonic Orchestra, dem DR SymfoniOrkestret (DRSO) Kopenhagen u.v.a.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei zahlreichen internationalen Wettbewerben ist er als Jurymitglied t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben seiner T\u00e4tigkeit als Organist und Ensembleleiter widmet sich Sch\u00f6nheit seit vielen Jahren dem historischen Hammerklavier. Er spielt einen historischen Hammerfl\u00fcgel der Firma John Broadwood aus dem Jahre 1805 und einen Hammerfl\u00fcgel von Franz Bayer Wien aus der Zeit um 1825.<\/p>\n\n\n\n<p>Rundfunk-, Fernseh- und CD-Produktionen erg\u00e4nzen sein vielseitiges k\u00fcnstlerisches Wirken. So erschienen in den Jahren 2005 und 2006 bei MDG viel beachtete CDs mit Werken von J. S. Bach,<\/p>\n\n\n\n<p>F. Liszt, J. Reubke und M. Reger auf der gro\u00dfen Ladegast-Orgel im Merseburger Dom. Zum 200. Geburtstag von Friedrich Ladegast im Jahre 2018 folgte die Ver\u00f6ffentlichung des historischen Konzertprogramm von 1855 zur Einweihung der Merseburger Domorgel Friedrich Ladegasts bei dem Verlag Querstand in Altenburg. 2010 erschien bei Decca die Einspielung der Sechs Brandenburgischen Konzerte von Bach mit dem Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly, bei der Sch\u00f6nheit den Cembalo-Solopart des 5. Brandenburgischen Konzertes \u00fcbernahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Merseburger Hofmusik erschien im Jahre 2013 beim Verlag Querstand die Gesamteinspielung des Orchester- und Kantatenwerkes von Johann Ludwig Krebs, es folgten 2016 die Ver\u00f6ffentlichung von Joseph Haydns Oratorium \u00abSch\u00f6pfung\u00bb, des Requiems op. 144b von Max Reger und des \u00abDeutschen Requiems\u00bb von Johannes Brahms auf Originalinstrumenten. Schlie\u00dflich erschien 2018 zum 20-j\u00e4hrigen Bestehen der Merseburger Hofmusik und dem 25-j\u00e4hrigen Bestehens des Collegium Vocale Leipzig eine sehr gelobte Einspielung der Hohen Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach unter der Leitung von M.Sch\u00f6nheit. Weitere Einspielungen folgten. Im Jahr 2022 erscheint beim Label cpo die Gesamteinspielung der Kantaten des in Merseburg wirkenden Domorganisten und Kapellmeisters Georg Friedrich Kauffmann (1679-1735).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr seine Verdienste um die Restaurierung der Merseburger Domorgel und die Entwicklung der Merseburger Orgeltage zu einem Festival von hohem Rang wurde Michael Sch\u00f6nheit<\/p>\n\n\n\n<p>im Jahre 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bach und sein musikalisches Erbe Werke von August Wilhelm Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, dem Merseburger Domorganisten David Hermann Engel u.a. 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